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140+10 Jahre Högner: “Ein Wirtshaus, das wirklich funktioniert”

Der Gasthof Högner feiert Jubiläum, ein Dorf feiert seine Gastwirtschaft: Seit 140 + 10 Jahren (dazu später mehr) ist der “Henger” ein Wirtshaus, wie es eins sein sollte. In dem jeder willkommen ist, egal ob er wegen der sehr guten, aber bezahlbaren bayerischen Küche kommt oder um am Stammtisch eine Halbe frisch gezapftes Augustiner zu trinken. Mit netten Bedienungen, einem lauschigen Biergarten und enem gemütlichen Saal.

Aber jetzt zum Jubiläum! Zum Auftakt der Feierlichkeiten stellten die Burschenschaft und die Unterbrunner Vereine dem Hubert und der ganzen Wirtsfamilie Kaindl endlich einen eigenen Maibaum auf. Traditionell mit Scheren, wie es sich gehört.

Den Baum zieren die Wappen der acht Dorfvereine, von Burschenschaft und Feuerwehr bis Obst- und Gartenbau- und Kulturverein. Ein wenig dauerte es, bis das heimlich gegossene Fundament gefunden war, dann stand der Baum vor den Kastanien des Biergartens. „Gott sei Dank, dass er schon aufgestellt ist, dann brauche ich ihn nicht zu bewachen”, sagte der Kaindl Hubert zufrieden.

Beim offiziellen Akt waren Landrat Stefan Frey dabei, unser neuer Bürgermeister Max Platzer und unser Pfarrer Thomas Ruf (für so einen Tag eine Gästeliste aufzustellen, ist ja ein Ding der Unmöglichkeit; Hubert entschuldigte sich bei allen, die am ersten Feiertag nicht dabei sein konnten). Und natürlich Vertreter der Augustiner Brauerei. Seit mindestens 80 Jahren liefert Augustiner das Bier für den Gasthof Högner, von damals datiert zumindest der erste Lieferschein.

Zu Nachkriegszeiten gab es dabei nur Dünnbier, berichtete Hubert. Bei der Hochzeit seiner Großeltern wurde dann 1949 erstmals wieder ein gescheites Bier ausgeschenkt. “Niemals hat es soviele Räusche in Unterbrunn gegeben wie an diesem Tag.”

So wurde aus dem Verhältnis zwischen der bayerischen Traditionsbrauerei und dem Wirtshaus in diesem schönen kleinen Dorf bei Gauting rasch viel mehr als eine Geschäftsbeziehung, sagte Augustiner-Geschäftsführer Martin Leibhard, es sei eine jahrzehntelange Freundschaft daraus erwachsen. “Ich bin froh, dass es noch so ein Wirtshaus gibt, das wirklich funktioniert.”

Das liege auch daran, dass die ganze Familie Kaindl mit Herzblut dabei sei. Zur Feier brachte Augustiner Jubiläums-Willibecher mit dem Högner-Wappen mit, die sogleich mit frischem Bier vom Fass gefüllt wurden.

Und warum feierte der Högner 140+10 Jahre und nicht 150 Jahre? Aufklärung brachte ein vergnügliches Theaterstück als “Königlich Bayerisches Amtsgericht”, bei dem die ganze erweiterte Familie Kaindl mit Mitarbeitern und Freunden mitspielte. Die ersten zehn Jahre nämlich fehlte die Ausschankgenehmigung. Der erste Antrag war wohl von irgendeinem Bürokraten (im Stück hieß es Olaf Merz…) abgelehnt worden, erst nach einem späten Widerspruch durfte dann auch offiziell Bier ausgeschenkt werden. Bei dem Stück zeigten sich neben den erfahrenen Schauspielern vom Theater auch neue Talente (“ich weiß nix”), der Hubert Dietl hat hoffentlich für die nächste Besetzung gut zugeschaut.

Am 150 Jahre Högner, das waren auch viele Geschichten, Durststrecken und Freudentage. Hubert erinnerte zum Beispiel an die Corona-Zeiten, als alle zusammenhielten, und das Essen zum Abholen im “legendären Kreisverkehr” ausgegeben wurde. Die ganzen anderen Geschichten kann man sich ja zum Glück auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Gasthof Högner bei einer Halben Augustiner erzählen.